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Alternativen zu Plastik

Plastik flutet und verschmutzt unsere Ozeane. Wir werfen einen Blick auf die steigende Zahl an innovativen Alternativen, die das Problem bekämpfen.

Plastik ist ein fast schon schmutziges Wort geworden. Wir verbinden es inzwischen mit Umweltverschmutzung, billigen Massenprodukten, schlechten Schönheitsoperationen und exzessivem Konsum. Als Plastik jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts von Leo Baekeland entwickelt wurde, galt es als wahre Revolution. Im Gegensatz zu all den Produkten aus Glas und Metall, die es in Zukunft ersetzte, war es robust, widerstandsfähig und billig – es konnte sich nicht verbiegen, Risse bekommen oder zerbrechen. Es war quasi unzerstörbar.

Seine Erfindung, die er nach sich selbst Bakelit nannte, war das erste synthetische Plastik, er stellte es aus Erdöl her. Bereits zuvor gab es plastikähnliche Materialien, die jedoch stets pflanzlichen oder tierischen Ursprungs waren – so bestanden diese etwa aus Tierhorn, Tierpanzern, Zellulose oder Gummi. All diese wurden bereits seit Jahrhunderten verwendet. Genau wie die natürlichen Vorgänger bestehen auch künstliche Arten des Plastiks aus Ketten komplizierter Moleküle, die man Polymer nennt. Dadurch kann man Plastik in jede erdenkliche Form bringen. Dem Bakelit folgten bald andere Plastikarten, unter ihnen bahnbrechende Fabrikate wie etwa Polyester oder Nylon, Polystyrol, Polyethylen oder das als PET bekannte Polyethylenterephthalat.

Schauen wir uns die Plastikwelt im Jahr 2017 an, so entdecken wir hunderttausende verschiedene Arten von Polymeren, die meisten von ihnen hergestellt aus Öl oder Gas. Die einst so hochgelobte Langlebigkeit ist nun ihr größter Nachteil: sie lagern für tausende von Jahren auf Mülldeponien, bevor sie sich vollständig zersetzt haben – oder, schlimmer noch, landen in unseren Ozeanen.

Um dem entgegenzuwirken, arbeiten einige Produzenten, darunter auch Lush, hart daran, Alternativen zu Kunststoffen zu finden. Entweder, indem sie nach Polymerstrukturen suchen, die kompostierbar sind, oder, indem sie Materialien wiederverwenden und recyceln.

Wir bei Lush verzichten wo immer möglich auf Verpackungen und verkaufen unsere Produkte am liebsten nackt, also unverpackt. Sollten wir doch Plastikverpackungen nutzen, stellen wir vorher sicher, dass diese wiederverwendet und recycelt werden. Unsere schwarzen Pötte bestehen zu 100% aus recyceltem Polypropylen. Einen großen Teil von ihnen recyceln wir erneut in unserem Greenhub in England, wenn uns die dortigen Kunden ihre schwarzen Pötte in den Shop zurückbringen.

„In den letzten zwölf Monaten brachten unsere Kunden uns insgesamt sieben Tonnen Black Pots zum Recycling zurück“, zeigt sich Suzy Hill vom Lush Earth Care Team begeistert.

Alle unsere Flaschen wiederum bestehen aus dem Plastik PET (Polyethylenterephthalat), welches ebenfalls zu 100% aus recycelten Materialien besteht. Die Formen, in denen wir unsere Badebomben herstellen, bestehen auch aus PET – wir recyceln diese und verwenden sie so oft es geht wieder.

„Wir bevorzugen Materialien, die nicht nur recycelt werden können, sondern bereits von Beginn an recycelt sind“, erklärt unser Lush Verpackungsentwickler Giles Verdon. „Unsere Badebombenformen bestehen aus PET. Gerade arbeiten wir daran, dieses anschließend waschen und schreddern zu können, um daraus wieder neue Formen herzustellen. Wir sitzen niemals still und fordern uns immer wieder selbst heraus.“

Innovationen aus Plastik

Einige Erfinder versuchen sich daran, natürliche Materialien zu verwenden, um Alternativen zu Plastik zu finden. Das Textilunternehmen Ananas Anam Ltd. produziert und verkauft eine nachhaltige, natürliche Textilie namens Piñatex, die aus den Fasern von Ananasblättern hergestellt wird, welche bei der Ananasernte auf den Philippinen als Abfall übrig bleiben. Das Material wurde innerhalb von sieben Jahren von Dr. Carmen Hijosa, der Leiterin von Ananas Anam Ltd., entwickelt. Man benötigt dazu kein extra Land, Wasser, Dünger oder Pestizide, denn es handelt sich bei dem Rohstoff einfach um die sowieso gewachsenen Ananasblätter. Die Bauern können sich durch deren Verkauf etwas dazuverdienen. Piñatex ist nicht nur vegan und kompostierbar, es stellt darüber hinaus eine umweltschonende Alternative zu künstlichen Lederimitaten dar, die häufig aus ölbasierten Plastikarten wie PVC oder Polyurethan bestehen.

„Mit Piñatex wollen wir eine Marktlücke füllen, die immer offensichtlicher und größer wird – es ist die Lücke zwischen Leder und künstlichen Textilien aus Erdöl“, so Dr. Carmen Hijosa. Die bekannten Hersteller adidas und Camper haben bereits Prototypen aus Piñatex hergestellt, die Marke Po-Zu, die ethisch produzierte Schuhe verkauft, hat aus dem Material eine ganze Reihe veganer Schuhe auf den Markt gebracht. „Piñatex entwickelt sich weiter und wird zu einem etablierten Material“, freut sich Dr. Hijosa.

Ein weiteres Unternehmen, das biologische Materialien nutzt, um die Umweltverschmutzung durch Plastik einzudämmen, ist die kleine Craft-Beer-Brauerei Saltwater Brewery aus Florida. In Zusammenarbeit mit der Werbeagentur We Believers aus New York stellte die Brauerei zu 100% kompostierbare, essbare, plastikfreie Ringe her, die ihre Sixpacks Bierdosen zusammenhalten. Sie bestehen aus Weizen und Hopfen, welche beide als Zutaten beim Bierbrauen eine wichtige Rolle spielen. Sollten diese Ringe in den Ozean gelangen, zersetzen sie sich innerhalb von Stunden. Sie sind also im Gegensatz zu den Plastikringen keine Gefahr für Tiere, die daran ersticken oder sich strangulieren können, oder sogar bitterlich verhungern, wenn sie sich darin verfangen. Wenn große Brauereien sich diese Technologie abschauen, würden nicht nur ihre Produktionskosten geringer werden, es würde auch eine wettbewerbsfähige Alternative zu Plastik entstehen. Peter Agardy, Leiter der Marketingabteilung der Saltwater Brewery, sagt: „Es handelt sich um eine große Investition für unsere kleine Brauerei, die von Fischern, Surfern und Meeresliebhabern gegründet wurde.“ Der Präsident der Brauerei, Chris Gove, ergänzt: „wir hoffen, dass wir die großen Brauereien beeinflussen und inspirieren und sie sich uns letztendlich anschließen.“

Einige große Marken arbeiten bereits an der Entwicklung von sogenanntem Bioplastik, welches Hefe nutzt, um Zucker aus Zuckerrohr in Ethylen, Polyethylen und PET umzuwandeln. Den Weg möchten wir bei Lush jedoch ungern einschlagen. „Uns missfällt der Gedanke, aus einem Nahrungsmittel für unzählige Menschen Plastik zu machen“, erklärt Giles Verdon. Stattdessen bevorzugen wir das Motto reduzieren-wiederverwenden-recyceln. Dieses Kredo gilt auch für einige inspirierende weltweite Initiativen zur Eindämmung von Umweltverschmutzung durch Plastik.

  • Thread International sammelt Plastikflaschen auf den Straßen und in den Kanälen auf Haiti und verwandelt sie in einen besonderen Garn. Dieser besteht zu 50% aus PET und wurde bereits von bekannten Marken wie Timberlake, Kenneth Cole oder Kelly Lane eingesetzt.
  • Adidas arbeitete mit Parley for the Oceans zusammen, um aus Plastik aus den Ozeanen hochwertige Sportbekleidung zu entwickeln. Schuhdesigner nutzten dazu Garn aus Plastik, welches zuvor in den Ozeanen gesammelt wurde, sowie eine 3D-gedruckte Mittelsohle aus recyceltem Polyamid und illegalen Tiefsee-Fangnetzen.

  • Die Accessoires von ReFleexe bestehen aus einer neuen Art Filz, welches mit Hilfe von energiesparenden Prozessen hergestellt wird und aus alten Textilien sowie recycelten Plastikflaschen besteht.

  • Der Kugelschreiber Bottle-2-Pen von Pilot ist der erste Stift der Welt, welcher aus Plastikflaschen hergestellt wurde. Und er ist nachfüllbar.

  • Die Marke Blue Planet Eyewear produziert umweltfreundliche Sonnenbrillen aus recyceltem Plastik und Metall.

Alternativen im Alltag

Doch nicht nur Unternehmen haben die Verpflichtung, Alternativen zu Plastik zu finden, auch wir als Individuen können bereits in unserem Alltag einiges unternehmen, um unseren Plastikverbrauch zu reduzieren oder aber Plastik zu recyceln. Wir bei Lush ermutigen unsere Kunden dazu, eines unserer Knot Wraps zu verwenden, um damit Geschenke zu verpacken. Sie sind nicht nur schöner als Geschenkpapier, sondern auch wiederverwendbar. Einige unserer Knot Wraps bestehen aus Greenspun, einem Stoff, der zu 100% aus recycelten PET-Flaschen besteht. Bei unseren Vintage Knot Wraps handelt es sich um Tücher, die wir aus zweiter Hand kaufen.

Wiederverwendbare Kaffeebecher und Wasserflaschen zu nutzen ist ein weiterer wichtiger Schritt. Die Recycle Now Kampagne deckte auf, dass alleine in Großbritannien jeder Haushalt jedes Jahr etwa 480 Plastikflaschen kauft, aber nur 270 von ihnen recycelt. Weitere Studien der Universität Cardiff offenbarten, dass in Großbritannien täglich bis zu 7 Millionen Kaffeebecher weggeworfen werden, von denen weniger als 1% recycelt wird. Das liegt hauptsächlich an dem Plastikfilm auf den Bechern, welcher sie schwerer recycelbar macht. Viele Cafés akzeptieren inzwischen wiederauffüllbare, selbst mitgebrachte Becher, oder verkaufen umweltfreundliche Alternativen. Die Becher, Flaschen und Brotdosen von Aladdin Earthscapes bestehen aus einer recycelten Plastikmischung namens eCycle®, und sind wiederum recycelbar ist, wenn man sie nicht mehr benötigt.

Trinkhalme aus Metall oder Papier zu verwenden, anstatt die herkömmlichen aus Plastik, oder sie einfach ganz zu vermeiden, macht ebenfalls einen Unterschied aus. Laut des Recyclingunternehmens Eco Cycle aus den USA werden dort jeden Tag 500 Millionen Plastikstrohhalme verwendet. Einmal weggeworfen, enden sie auf Müllkippen oder landen im Ozean, wo sie zum Beispiel die Nasen von Meeresschildkröten verstopfen oder die Mägen von Pinguinen durchbohren. Einige Pubs und Restaurants in Großbritannien nehmen an der Straw Wars Kampagne teil, was beinhaltet, dass sie sich verpflichten, auf Plastikstrohhalme zu verzichten oder erst auf Nachfrage herauszugeben.

Kampagnen, die das Ziel haben, den Plastikverbrauch zu verringern, haben deutliche Erfolge. Seit Oktober 2015 sind alle Läden in England dazu verpflichtet, für jede Plastiktüte 5 Pence zu verlangen. Dadurch erfolgte ein Rückgang der Verwendung von Plastiktüten um 80%. 2016 war Kalifornien der erste Bundesstaat in den USA, der Plastiktüten komplett verbat. Kalifornien gesellte sich somit zu einer Vielzahl von Staaten, darunter Kenia, China, Bangladesch, Ruanda, Mazedonien und Frankreich – wo Plastikteller, -Becher und –Besteck ab dem Jahre 2020 komplett verboten sein werden.

Also, mach mit und versuche, ein Leben mit weniger Plastik zu leben – die Vorteile liegen auf der Hand!

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