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Das geheime Leben einer jungen Imkerin

Ich bin Emma, bin 18 und ich bin Imkerin.

An Wochentagen stehe ich um 7 Uhr auf und gehe in die Schule, dann komme ich heim, esse zu Abend und mache eventuell noch meine Hausaufgaben, bevor ich mich auf den Weg zu meinem Teilzeitjob in einem örtlichen Pub mache. Um ganz ehrlich zu sein, zwischen Schule und all meinen weiteren Aktivitäten ist es nicht immer einfach raus zu gehen um nach den Bienen zu sehen. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen einen Imker als Freund zu haben, der die Bienenstöcke in seinem Garten hält und ich immer willkommen bin, sie so oft ich will zu besuchen. Da die Imkerei ein solch dankbares Hobby ist, versuche ich immer Zeit dafür zu finden und an Tagen, an denen ich wirklich keine Zeit finde um nach den Bienen zu sehen, bastle ich an Wabenrahmen; ein Job der immer gemacht gehört.

Bienenzucht ist vielleicht keine Tätigkeit, die eine jede durchschnittliche 18-jährige für interessant hält; ich habe es für mich entdeckt, als ich einem befreundeten Imker meiner Mutter über die Schulter blicken durfte. Ich habe Bienen immer schon gemocht, aber ich war erstaunt, wie behutsam sie waren, vor allem als ich angefangen habe in ihrem Zuhause herumzustochern! Ich habe den ganzen Sommer mit den Bienen verbracht, doch erst im Herbst hat mir mein Imker Mentor (und jetzt Freund) vorgeschlagen das „British Beekeeping Association Junior“ Zertifikat zu machen.

Um ehrlich zu sein hatte ich Panik. Die Prüfungszeit hat mich sehr gestresst und die Bienen halfen mir dabei mich davon zu erholen. Aber es gab überhaupt keinen Grund zur Sorge; diese Prüfung war gezielt für Kinder, die viel jünger sind als ich, die meisten davon PfadfinderInnen, und alles, was ich über den Sommer gelernt hatte, reichte aus um diese Prüfung zu schaffen. Jetzt habe ich eine lebenslange Qualifikation, die mir super viel Spaß macht.

beekeeping

Für mich ist die Bienenzucht der perfekte Weg um komplett abzuschalten und meinen Schulstress zu vergessen. In der Lage zu sein die Rahmen zu organisieren und die vielen Veränderungen im Bienenstock mit zu verfolgen gibt mir das Gefühl kompetent und unabhängig zu sein. Oft werden mir diese Gefühle durch die ständigen Klausurarbeiten und Noten genommen.
 

Die Maturazeit ist eine sehr intensive Zeit, da ist es wichtig auch mal ein wenig Zeit für sich zu haben. Es gibt Tage, an denen ich fast nichts tue um mich zu entspannen, aber die Imkerei ist ein toller Weg um den Stress der Schule zu vergessen, weil es dir so viel zurückgibt. Wenn ich in Hausaufgaben schwimme und nur am Lernen bin, verliere ich oft den Fokus für meine Ziele, aber beim Bienen Züchten werde ich sofort für meine Arbeit, die ich reinstecke, belohnt. Wann auch immer ich die Bienenstöcke öffne und die tausenden, schönen und gesunden Bienen sehe, um die ich mich so gut gekümmert habe, überkommt mich sofort ein Gefühl von Stolz.

Ein Grund, der mich so motiviert nicht aufzugeben, ist die Tatsache, dass ich die Bienen liebe und respektiere. An den meisten Tagen reicht es mir schon zu wissen, dass ich diesen schönen und fleißigen Kreaturen so nahe sein kann, dennoch wissen wir alle, dass Bienen in Gefahr sind und ich möchte alles geben, um ihnen zu helfen. Bienen machen so viel mehr für Menschen als nur Honig produzieren: alleine in Großbritannien sind sie für ungefähr ein Drittel der Gesamternte verantwortlich, da sie die Rolle des Bestäubers übernehmen. Bienen sind eine so genannte „Indikatorspezies“. Das bedeutet, wenn sie keine Möglichkeit haben zu überleben, wird der Menschheit ein gleiches Schicksal bevorstehen. Also wenn mich die Bienen alleine nicht motivieren, tut es das bevorstehende Schicksal auf jeden Fall.

Ich habe große Hoffnung in meine Zukunft als Imkerin, und wenn ich älter bin, möchte ich meine eigenen Bienenstöcke in meinem Garten haben. Aber viel wichtiger ist mir, dass ich mehr Menschen in meinem Alter dazu bringe, sich mit Bienen zu beschäftigen! Die Imker Community ist sehr freundlich und hilfsbereit, aber besteht fast ausschließlich aus Leuten über 50. Das bedeutet, dass es sehr wichtig ist meine Generation in das Wohlergehen der Bienen zu involvieren.

So wie ich das betrachte, mache ich meinen Schulabschluss um meiner zukünftigen Karriere zu helfen, aber ich bin als Imkerin tätig um der Welt der Zukunft zu helfen. Bienen sind essenziell für unseren Planeten und unser Überleben. Also wenn wir keinen finden, der sich nach den jetzigen Imkern um die Bienen kümmert, werden wir in Schwierigkeiten geraten.

Ja, ich weiß, einen eigenen Imker Betrieb zu haben ist nicht für jedermann realisierbar (und manche Menschen fürchten sich vor dem Gedanken nur in die Nähe eines Tieres zu kommen, das sie stechen könnte). Glücklicherweise, gibt es viele kleine Dinge, die du machen kannst, die keinen Anzug und Gesichtsschutz benötigen.

Deinen Garten in einen Zufluchtsort für Bienen umzugestalten ist eine schöne und einfache Alternative den Bienen zu helfen. Pflanze Kräuter und Blumen, wie zum Beispiel Thymian, Salbei, Lavendel, Sonnenblumen und Rosmarin um deinen Garten für Bienen attraktiver zu machen - diese sind auch in kleineren Gärten einfach anzubauen; für ein Fensterbrett sind sie genauso geeignet. Auch eine Wasserstelle in Form eines Brunnens oder einer kleinen Schüssel wird die Bienen vorm Verdursten bewahren – an einem Tag, an dem sie auf Futtersuche sind, fliegen die Bienen bis zu 8km, was ein langer Weg ist, wenn man bedenkt, dass sie nicht mal 1cm groß sind!

Dementsprechend ist es auch wichtig, erschöpfte Bienen, die man vermehrt im Sommer auf dem Gehsteig liegen sieht, in den Schatten zu bringen und ihnen Wasser zu geben (Zuckerwasser wäre sogar am besten). Bienen stechen fast nie; ich kümmere mich jetzt schon seit fast zwei Jahren um Bienen und wurde noch nie gestochen, also hab keine Angst eine Biene, die Hilfe braucht, anzufassen!

Wenn du dich wirklich um einen Bienenstock kümmern möchtest, braucht du keine Qualifikationen. Aber am besten wäre es, wenn du dich vorher gut darüber informierst, da dir dein Wissen helfen wird, ein besserer Imker zu werden und dich gut um die Bienen zu kümmern. Es gibt ganz viele Guides für Anfänger und auch online finden frische Imker viel Support, sowohl von offiziellen Seiten wie der „British Beekepers Association“ und Blogs von anderen Imkern. Außerdem gibt es überraschenderweise sehr viele Imker, die sehr begeistert davon sind ihr Wissen zum Thema Bienen mit anderen zu teilen. Das heißt, es könnte sogar sein, dass der Freund eines Freundes Imker ist, der dir dazu alles beibringen kann.

Sich in kleinen Schritten um unsere Bienen zu kümmern wird Großes bewirken. Ich kann mir definitiv kein Leben mehr ohne die Bienenzucht vorstellen.

Geschrieben von Emma Bradley

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