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Gender Pricing: eine Kosmetik-Kontroverse

Findest du, Frauen sollten mehr für Kosmetik zahlen als Männer? Nun, sie tun es bereits. 

Frauen zahlen mehr für Kosmetik als Männer. Das erscheint dir vielleicht offensichtlich, da man allgemein davon ausgeht, dass Frauen mehr Kosmetikprodukte nutzen als Männer, und diese vielseitiger einsetzen. Aber nein, darum geht es nicht. Es geht um den Fakt, dass für Frauen entworfene Produkte mehr kosten, als vergleichbare Kosmetik speziell für Männer – und zwar unglaubliche 31% mehr im Durchschnitt, wie eine Studie der Fawcett Society (eine britische Organisation, die sich für Frauenrechte engagiert) offenlegte. 

Das bedeutet, dass Kosmetikprodukte der gleichen Marke, seien es Rasierschaum, Feuchtigkeitscremes und alle anderen Produkte, die dich sauber und frisch halten, teurer für Frauen als für Männer sind – einfach, weil sie geschaffen wurden für Mädchen, Damen, Frauen, Girls oder wie auch immer. Die gleiche Größe, die gleiche Qualität, die gleichen Inhaltsstoffe, einfach nur teurer – und möglicherweise in Rosa oder Pink…

Dieses Phänomen ist bekannt unter dem Namen Gender Pricing, manchmal auch Pink Tax (Rosa Steuer) genannt. Überall auf der Welt müssen Frauen höhere Preise für Alltagsprodukte zahlen, darunter auch Kosmetika (aber bei Weitem nicht nur). 1994 schätzte der US-Bundesstaat Kalifornien, dass Frauen effektiv eine genderbasierte Steuer von ca. 1.273 Euro jährlich mehr als Männer zahlten, weil es sich etabliert hat, Dinge für Frauen teurer zu verkaufen.  

In Deutschland fand derweil unter anderem die Verbraucherzentrale Hamburg heraus, dass Frauen deutlich mehr als Männer für diverse Produkte zahlen, dabei insbesondere bei Kosmetik- und Hygieneartikeln. Sehr häufig betrugen die Preisunterschiede 30-40%, manchmal sogar bis zu 200%. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Frauen in Österreich in etwa 23,4% weniger Gehalt pro Stunde erhalten als Männer, wie die Europäische Kommission (PDF-Seite 12-13) ermittelte, wird dieser immense Unterschied noch größer.

Stevie Wise, Aktivistin für Gleichberechtigung und Gender Equality, war dementsprechend wütend, als sie herausfand, dass Frauen im Vergleich zu Männern horrende Preise für alltägliche Dinge zahlen. Also kämpfte sie dafür, dass eine führende Pharmazie- und Kosmetikkette die Preise angleicht – mit gewissem Erfolg. Aber Stevie ist der Meinung, dass das bei Weitem noch nicht reicht.

„Am Ende geht es darum, dass Händler endlich ehrlich gegenüber ihren Kunden sind. Die Produkte in Supermärkten sind häufig geschlechterspezifisch sortiert, was es erschwert, die Preise zu vergleichen.“

„Das Produkt-Marketing ist irreführend, indem es suggeriert, dass es sich um komplett verschiedene Produkte handelt – was nicht der Wahrheit entspricht. Das muss sich ändern, es beleidigt die Kunden und endlich fangen die Leute damit an, das zu bekämpfen. Die Händler müssen nun folgen.“

Stevie deutet an, dass der Preisunterschied den Kunden langsam aber sicher bewusster wird und sie nach mehr Unisex-Produkten verlangen, bei denen die Zutaten, Effekte und Qualität für Männer und Frauen die gleichen sind.

Sie sagt: „Es ist offensichtlich, dass zahlreiche Produkte nur deshalb auf Gender spezialisiert sind, weil Hersteller und Verkäufer dadurch mehr Geld verdienen können. Wir sollten selber wählen können, was wir kaufen, und momentan wird uns ein Teil der Wahl vorenthalten.“

Und da liegt sie unserer Meinung nach goldrichtig. Die Preise sollten vom Produkt, seinen Inhaltsstoffen und seinen Effekten abhängen. Wenn es zum Beispiel um Deodorants geht, haben sie allesamt den gleichen Zweck: sie stoppen Gestank.

Kosmetikwissenschaftlerin und Lush Mitbegründerin Helen Ambrosen erklärt: „Wenn wir Deodorants entwickeln, denken wir nicht an Gender oder Geschlechter, sondern an Funktionalität. Jeder kann jedes unserer festen Deos oder Puder nutzen und sich anschließend mit jedem unserer Parfüms einsprühen, einfach nur davon abhängig, wie man riechen möchte.“

Denn wir alle schwitzen, und wie wir Körpergeruch unter Kontrolle halten, ist bei jedem in etwa der gleiche Weg.

Helen sagt: „Wir schwitzen alle. Wenn man nicht badet oder auf seine Hygiene achtet, fängt man an zu stinken. Vieles hängt von unserem Lebensstil, dem Wetter, unseren Aktivitäten und vielen anderen Dingen ab. Und nicht davon, welches Geschlecht man hat.“

Und wenn es um den Preis geht, versichert uns Helen, hängt alles nur von den Produkten und ihren Inhaltsstoffen ab.

„Zuerst fragen wir uns: funktioniert das Produkt und werden unsere Kunden damit zufrieden sein? Dann schauen wir genau, was wir reingepackt haben. Alles hängt von den Inhaltsstoffen und dem Endprodukt ab. Wenn wir etwa ätherische Öle wie Rosenholz oder Sandelholz verwenden, müssen wir das bei der Preisgestaltung berücksichtigen.“

Ob es sich nun um Deodorant, Rasiercreme, Körperspray oder Shampoo handelt, Unisex-Produkte machen Sinn für deinen Körper und deinen Geldbeutel.

„An Gender verschwenden wir bei der Gestaltung von Deodorants keine Gedanken, es geht nur um die Funktionalität.“ Helen Ambrosen, Lush Mitbegründerin und Kosmetikwissenschaftlerin.

Kommentar (1)
1 Kommentar

hannah.platzer

über 11 Monate vor

Wirklich eine Frechheit :/ Toller Artikel!
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