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Rowena liebt’s nackt statt verpackt

Lush-Mitgründerin Rowena Bird trägt für ihr Leben gern Make-up, sagt aber Nein zu den Plastikverpackungsexzessen der Kosmetikindustrie. Hier erzählt sie, wie aus ihrer Leidenschaft für die Umwelt eine Make-up-Kollektion entstanden ist, die nicht nur dem Selfie guttut.

 

Vor ein paar Jahren erfüllte ich mir meinen Kindheitstraum vom Leben am Meer. Aber die langersehnten Strandspaziergänge, Picknicks und Meeresblicke bei Sonnenuntergang erwiesen sich bald als Illusion. Die Wirklichkeit ist nämlich gar nicht so traumhaft: Bei meiner Morgenrunde am Strand stoße ich auf Zigarettenstummel, Sandspielzeug und die Überreste von Grillpartys.

Die Nachlässigkeit der Menschen treibt mich zur Weißglut. Als Kind ließ ich einmal ein Bonbonpapier auf den Boden fallen – einmal und nie wieder, denn die Standpauke meiner Mutter hatte es in sich. Als Erwachsene versuche ich immer, mein Scherflein beizutragen: Ich verzichte auf Plastiksäcke, kaufe unverpacktes Gemüse und gönne mir unterwegs nur dann einen Kaffee, wenn ich meine eigene Tasse dabeihabe.

Leider scheinen viele anders zu denken, wie die täglichen Müllberge am Strand zeigen. Aber immer bloß kopfschüttelnd am Müll der anderen vorbeizumarschieren, macht die Sache nicht besser. Von der Schauspielerin Lily Tomlin stammen die berühmten Worte: „Ich habe mich immer gefragt, warum nicht irgendjemand etwas dagegen unternimmt. Dann wurde mir klar, dass ich dieser jemand war.“ Also habe ich beschlossen, Taten zu setzen.

Seither habe ich immer einen Beutel dabei und säubere den Strand von den Abfällen, bin neuerdings sogar mit einem Müllgreifer bewaffnet (eines der besten Geburtstagsgeschenke, die ich je bekommen habe!).

„An meinem 60. Geburtstag werde ich eine Tonne Müll aufsammeln“, sagte ich vollmundig zu meinem Bruder. Ihm war – anders als mir – natürlich gleich klar, was es bedeutet, eine Tonne Müll aufzusammeln.

„Warum trommelst du nicht im Internet die Leute zusammen?“, fragte er. 

Daraufhin unterhielt ich mich mit ein paar Kolleg*innen im Lush Green Hub, unserem hauseigenen Recycling-Zentrum für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft, und die waren gleich Feuer und Flamme. Wir nahmen uns vor, nicht eine, sondern 60 Tonnen zu sammeln, weil es ja mein 60. Geburtstag war. 

Ich teilte die Challenge und den Hashtag mit meinen Followern auf Instagram und schlug vor, dass der gesammelte Müll gewogen und dokumentiert wird. Spielzeug, Schmuck und Krimskrams gebe ich in meine Strand-Schatztruhe, und an der erfreue ich mich, wenn mir die Müllberge über den Kopf wachsen. Der größte Erfolg ist uns bisher in Kroatien gelungen, wo fünf Autos aus dem Meer gezogen wurden. Damit kamen mit einem Schlag fünf Tonnen auf unser Müllkonto! Ist es nicht unglaublich, dass mit dieser Challenge Menschen dazu angeregt werden, Müll zu sammeln und irgendwann vielleicht auch ihre eigenen Challenges ins Leben zu rufen? 

Dann ging ich einen Schritt weiter und machte mich auf die Suche nach Make-up ohne Plastikverpackung. Kleine Schritte sind gut, aber warum nicht gleich Großes bewirken? Wie könnte man die Menschen und die Kosmetikindustrie zum Umdenken bewegen? Ich habe Make-up immer geliebt – keine Ahnung, warum, es ist einfach so. Schon als Kind gab’s für mich nichts Schöneres, als bei Woolworths die Regale nach knallbunten Lidschatten abzusuchen.

Aber mittlerweile produziert die Kosmetikindustrie Berge von Plastikmüll. Ich fragte mich, was Lush dagegen tun kann. Wie können wir als Unternehmen den Markt verändern und weiterhin einzigartiges Make-up kreieren?

Bei unserem Make-up hat sich über die Jahre viel getan. Zu Zeiten von Cosmetics to Go (das war noch vor der Gründung von Lush) wollte ich Verpackungen entwerfen, die nicht entsorgt werden. Die Produkte von B Never Too Busy To Be Beautiful (oder schlicht „B“), einer Schwesterfirma von Lush, waren von meinen Kindheitserinnerungen an den Schminktisch meiner Tante inspiriert; auch da hatten wir viel Verpackungsmaterial. Wir handelten damals nach ethischen Gesichtspunkten, nicht nach ökologischen.

Trotzdem stelle ich mir gerne vor, dass die Kunden von B die schönen Pinsel und Lidschatten-Döschen noch heute aufbewahren, denn so waren sie gedacht: als begehrte Kleinodien, von denen man sich nur ungern trennt.

Aber kommen wir zurück in die Gegenwart: Heute haben wir ein großes Sortiment an Naked cosmetics – das sind „nackte“, also unverpackte Kosmetika. Bei jeder Verpackung überlegen wir uns genau: Ist sie wiederverwendbar? Ist sie recyclingfähig? Ist sie überhaupt notwendig? Wenn doch eine Verpackung zu Anwendung kommt, dann ist sie maßgefertigt und einzigartig, damit sie gar nicht erst entsorgt wird, so die Hoffnung. 

Unsere nachfüllbare Lippenstifthülsen im Vintage-Stil werden von einer Firma in Frankreich hergestellt, die solche Stücke schon in den 1950ern produzierte. Es war nicht leicht, sie für das Projekt zu gewinnen, denn seither hat sich auf dem technischen Sektor sehr viel getan. Unsere Lidschatten-Döschen lassen wir aus ecuadorianischer Steinnusspalme herstellen. Man würde nicht glauben, wie viel Zeit und Liebe darin stecken. Ich könnte unglaubliche Geschichten über diese zeitlosen, wiederverwertbaren Döschen erzählen.

Ich sage auch gar nicht, dass Plastik grundsätzlich böse ist. Plastik kann Leben retten, zum Beispiel in Form eines Herz-Stents. Ich begreife nur nicht, warum es selbst da exzessiv verwendet wird, wo man es nicht braucht. Die Regierungen, Unternehmen und wir Konsument*innen müssen endlich einsehen, dass uns der Plastikmüll über den Kopf wächst.

Von der Geschäftsführerin des WWF, Tanya Steele, stammt dieser denkwürdige Satz: „Wir sind die erste Generation, die weiß, dass wir den Planeten zerstören, und die letzte, die etwas dagegen unternehmen kann.“

Wir alle können etwas beitragen. Wenn wir den Plastikmüll in den Griff bekommen wollen, müssen wir unseren Plastikkonsum einschränken. Ich kann nur hoffen, dass unsere Kund*innen mitmachen. Gemeinsam schaffen wir die nackte Revolution! 

Wenn du bei deiner Kosmetiktasche einen Anfang machen willst, dann sieh dich doch in unserer nackten, ganz und gar plastikfreien Make-up-Kollektion um!

#Lushmakeup

Rowena Bird

#plasticgrab

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