FEATURED

Sprechen wir über Akne: es ist kompliziert

​Fiona aus England erzählt dir von ihren Akne-Erfahrungen. Und wie sie es geschafft hat, aus negativen Kommentaren und Erlebnissen etwas Positives zu machen.

Bericht von Fiona Ward

Vor ein paar Jahren zählte ich zu den 30% der Leute in Großbritannien, die an Akne leiden. Kurz nachdem ich die Pille abgesetzt hatte, änderte sich meine Haut extrem. Sie explodierte förmlich, es war weitaus schlimmer, als die bisherigen Pickel während meiner Periode. Tiefe, zystische Pickel, die sich immer entzündeten (trotz intensiver Bemühungen meinerseits), machten mein Gesicht rot, dellig, vernarbt und trocken. Am schlimmsten war jedoch, dass ich mich nicht mehr traute, ungeschminkt nach draußen zu gehen. Davor war ich eigentlich stolz darauf, ganz ohne Make-up das Haus zu verlassen. Doch mit Akne schminkte ich mich stets mit einer dicken Schicht Foundation und Concealer. Ich schämte mich sogar, dem Postboten mein ungeschminktes Gesicht zu zeigen.

In den vergangenen Jahren gab es so etwas wie eine Bewegung in Richtung Skin Positivity in den sozialen Medien. Ähnlich wie bei der Body Positivity geht es darum, Unterschiede im Aussehen zu feiern und sich von der Idee eines perfekten Äußeren zu verabschieden. Die Bloggerin Em Ford, bekannt unter My Pale Skin („Meine blasse Haut“), war eine der Vorreiterinnen dieser Kampagne. Ihr YouTube-Film You Look Disgusting („Du siehst ekelhaft aus“) ging 2015 viral. In diesem teilt sie einige Hass-Nachrichten an sie, nachdem sie auf Instagram Fotos ihrer Akne zeigte. Wenn du nun nach den Hashtags #acne oder #Akne suchst, findest du nahezu 3 Millionen Bilder von Männern und Frauen, die offen und ehrlich von ihrer Haut erzählen.

Aber hätte das bei mir damals ausgereicht, dass ich mich in meiner Haut wieder wohl fühlte? Ich bin mir nicht sicher. Ein Leben voller retuschierter Gesichter auf Werbeplakaten und durch Filter gejagter, perfekter Selfies hatte unverkennbare Auswirkungen auf meine Wahrnehmung. Wenn du darüber nachdenkst, wirst auch du bemerken, dass sich sehr viele Gespräche rund um Schönheit vor allem auf die Haut konzentrieren. Ist es wirklich so, dass wir, um „natürlich schön“ – ein Ausdruck, den ich hasse – zu sein, „gute“ Haut haben müssen? In unserer Kultur gilt man als jung, attraktiv oder gesund, wenn man einen frischen, perfekten Teint hat.

Zweifelsohne spielen das reale Leben und das unverfälschte Aussehen eine immer größere Rolle in der Pop-Kultur und den Medien. Inzwischen gibt es sogar Werbung für Slipeinlagen in England, die statt blauer Flüssigkeit auf rotes Periodenblut zurückgreift, um die Saugfähigkeit unter Beweis zu stellen. Außerdem zeigen einige Marken, die Rasierer herstellen, in ihrer Werbung behaarte Models und nicht welche, die ohnehin schon glatte Haut haben. Traurigerweise sind das erst die Anfänge in der Werbung der Hautpflege- und Schönheitsindustrie. Models, insbesondere Frauen, mit perfekter, makellos reiner Haut, die die beworbenen Produkte eigentlich überhaupt nicht benötigen, sind Alltag.

Je mehr ich darüber nachdachte, umso größere Lust hatte ich dazu, mit anderen Menschen zu reden, die unter Akne litten. Wie würden sie mit all dem umgehen? Gab es Fortschritte? Die 26-jährige Gemma aus Lancashire sagt, dass mehr getan werden muss: „Es wird noch nicht genug thematisiert. Die Models für stark abdeckendes Make-up haben perfekte Haut. Das ist doch nicht repräsentativ. Es gibt aber viele How-To-Videos, die sich mit dem Schminken von Akne befassen. Das ist in Ordnung, ich kann verstehen, dass Leute ihre Akne abdecken wollen. Jedoch sollte man auch frei und ohne Sorgen auf Schminke bei Akne verzichten können.“ 

Ein guter Punkt, denn neben den Instagram Hashtags #skinpositivity oder #freethepimple („Befreie den Pickel“) verstärkt sich der Trend der Videos, die einem zeigen, wie man seine Akne richtig „wegschminkt“. Obwohl ich die Leute verstehe, die es für schädlich halten, sich unter mehreren Schichten Make-up zu verstecken, bin ich selber der Meinung, dass das Schminken auch eine Form des Empowerments sein kann.

Make-up-Artist Karishma, auf Instagram unter @karishmua zu finden, wurde mit ihren Akne-Videos bekannt. Mittlerweile fast 60.000 Follower sehen ihr dabei zu, wie sie ihre Akne mit glamourösen Looks und Make-up verschwinden lässt. Die Reaktionen auf ihre Videos sind unterschiedlich: „Am Anfang erhielt ich vor allem negative Kommentare. Ich solle meine Haut atmen lassen und schade ihr angeblich nur zusätzlich. Allerdings gibt es auch positive Reaktionen, Leute sagen, ich habe sie inspiriert, selbstbewusster mit ihrer Akne umzugehen. Meine Akne machte mich total unsicher. Ich konnte nicht ohne Make-up rumlaufen. Doch mit Make-up wirke ich auf viele so, als wäre ich zugekleistert. Ich verstehe nicht immer ganz, wenn Leute sagen „Sei natürlich und Liebe dich selbst“. Natürlich sollten wir auch die nicht so ganz perfekten Seiten von uns mögen, aber wir müssen schließlich nicht unsere Narben und Akne stolz zur Schau tragen, wenn wir nicht wollen.“

Auch Gemma wurde dafür verurteilt, dass sie ihre Akne bedeckte: „Für mein Selbstbewusstsein war das furchtbar. Ich nahm zu, fühlte mich allgemein schlecht und hörte auf, Make-up zu tragen. Ich dachte, dass das auf meiner Haut schrecklich aussieht und ich mit Make-up noch hässlicher wäre, als ohne.“ 

Viele der selbsternannten „Akne-Aktivist_innen“ in den sozialen Medien wollen den Blick auf die echte, ungeschminkte Haut und ihre Gesundheit lenken. Es ist nichts falsch daran, Make-up zu tragen, aber die Idee dahinter ist, dass Akne nicht etwas sein sollte, für das man sich schämen müsste.

Ich habe auch mit Kat Armanious geredet, die ihren Insagram-Account @my_beautiful_acne genau deswegen startete: „Ich hatte keine Lust mehr dazu, so zu tun, als würde meine Akne gar nicht existieren. Es war ermüdend, immer wieder über meine Haut zu jammern, immer wieder zurückzuschauen zu der Zeit, als meine Haut noch gut war. Wie eine alte Frau, die sich über ihr Gewicht aufregt und an die gute alte Zeit denkt. Ich schaute mir alte Fotos von mir an und dachte „damals hatte ich so tolle Haut“ – ich konnte nie das Hier und Jetzt genießen.“

Kat ist eine von vielen, die ihre ungeschminkte, von Akne gezeichnete Haut auf Instagram zeigen. Dazu zählt auch Louisa Northcote, die in England durch Britain’s Next Top Model bekannt wurde. Sie startete die Bewegung #freethepimple. Auch wenn alle von Akne betroffenen Menschen, mit denen ich redete, unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen hatten, stimmen doch alle darin überein, dass wir in der Öffentlichkeit und in den Medien einen stärkeren Fokus auf echte, unbearbeitete Haut legen sollten.

Karishma: „Jeder würde davon profitieren und stärkeres Selbstbewusstsein bekommen, wenn wir mehr echte Haut zu sehen bekommen würden. Alle müssen sich zugehörig fühlen können – und schön. Die Idee, dass jede Haut so perfekt ist, wie sie ist, hat Vorteile für uns alle. Unser Selbstvertrauen sollte nicht verschwinden, sobald wir uns abschminken.“

Ich denke, dem können wir alle zustimmen.

Kommentare (0)
0 Kommentare