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Warum ist es so schwer, Gerüche zu beschreiben?

Ein Perfume oder ein Duft erinnern uns meist an Erlebnisse oder Orte. Wir verraten dir, warum es dennoch so schwer fällt, Gerüche konkret zu beschreiben.

„Wenn ich etwas rieche, so habe ich keinen Begriff von der Gestalt, so wie auch nicht von der Entfernung oder Nähe der Sache, sondern der Geruch sagt nur, wie mir zu Muthe ist.“ – Immanuel Kant – Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. Dieses Zitat stammt aus dem 18. Jahrhundert, aber es hat bis heute, dreihundert Jahre danach, noch immer seine Gültigkeit. Wenn wir an Gerüche denken oder sie beschreiben wollen, gibt es nur sehr wenige Worte, die wir nutzen können. Für gewöhnlich greifen wir dabei auf Bezeichnungen zurück, die eher mit dem Geschmackssinn in Verbindung gebracht werden – vanillig, orangig, würzig.

Natürlich gibt es auch Worte, die Gerüche beschreiben: verbrannt, beißend, verfault, zitrusfrisch, holzig etc., aber sie beschreiben meist nicht den Geruch an sich, sondern den Zustand, in dem sich ein Produkt oder eine Zutat befindet.

Stell dir vor, du wirst aufgefordert, den Geschmack einer Banane zu beschreiben. Vielleicht würdest du ihn als cremig und süß bezeichnen, aber wenn es um den Geruch einer Banane geht, so fällt den meisten von uns nur ein, dass sie eben nach Banane riecht.

Wissenschaftler und Linguisten forschen seit Ewigkeiten nach den Gründen, weshalb wir Gerüche nur so schwer beschreiben können und es keine Worte extra dafür gibt. Charles Darwin oder Immanuel Kant gingen sogar soweit, den Geruchssinn als weniger wichtig im Vergleich zu unseren anderen Sinnen zu bezeichnen. Ein kurzer Schnüffler an deinem Lieblingsperfume oder ein bestimmter Duft, der dich an etwas denken lässt, wird dich jedoch schnell vom Gegenteil überzeugen. Ein Geruch hat die Fähigkeit, uns an einen anderen Ort, in eine andere Zeit oder in eine andere Stimmung zu versetzen – das ist ein einzigartiges Phänomen.

Bei der Beschreibung von Sinneseindrücken ist es nur der des Geruches, der uns sprachlos zurücklässt. Ganz schön beeindruckend, oder? Doch warum haben wir ein solch beschränktes Vokabular zur Beschreibung von Gerüchen und Düften? Liegt es daran, dass sie weitaus komplexer sind, als unsere Sprache?

Einige Wissenschaftler glauben, dass es eher mit der Funktionsweise unseres Gehirns zusammenhängt. Unsere olfaktorischen Rezeptoren – also die, die für den Geruch verantwortlich sind – liegen weit oben in der Nase und sind direkt mit dem Gehirn verbunden. Sobald sie einen Geruch empfangen, schicken sie ein Signal zu den Riechkolben, welche diesen analysieren. Von dort aus werden die Informationen in verschiedene Gehirnareale weitergeleitet, darunter auch in den Orbitofrontalcortex. Dieser Teil ist vermutlich verantwortlich für den Genuss und die Beschreibung eines Geruches.

Professor G. Neil Martin, Leiter des Institutes für Psychologie an der Regent’s University London und Autor des Buches „The Neuropsychology of Smell and Taste” (Die Neuropsychologie hinter Geruch und Geschmack), erläutert eine der Theorien, warum es Menschen so schwer fallen könnte, Gerüche in Worte zu fassen: „Ein Grund könnte sein, dass Geruch nicht sprachlich verarbeitet wird. Das direkte Erleben eines Geruches, verbunden mit Umweltbegebenheiten oder Einflüssen wie dem eines Schulessens, der Geruch eines Klassenzimmers oder der des Perfumes einer alten Liebe, kann in unserer Erinnerung jederzeit neu entfacht werden, sobald wir diesem Geruch erneut ausgesetzt werden. Einige sagen, es liege an den direkten Verbindungen zwischen dem olfaktorischen Zentrum und der Amygdala – also dem Teil des Gehirns, der emotionale Erinnerungen speichert.“

Die Behauptung, der Geruchssinn sei weniger wichtig, als andere Gerüche, hält Martin für falsch. Der Geruchssinn ist neben dem Geschmackssinn einer der ältesten Sinne, auf die sich die Menschen verlassen, und er ist äußerst wertvoll.

„Der Geruchssinn wird manchmal als das Aschenputtel der Sinne beschrieben – zwar schön, aber dennoch nie eingeladen auf den Ball.

Wir glauben, dass wir ihn seltener einsetzen und er unwichtiger sei. Als wir noch auf allen Vieren liefen, haben wir uns jedoch extrem auf ihn verlassen, um Nahrung oder Gefahren zu erriechen.

Als wir damit anfingen, auf den Hinterbeinen zu gehen, war unsere Nase an einem höheren Punkt und die Überlebenswichtigkeit des Geruchssinns sank. Unsere Nachforschungen ergaben, dass Menschen am ehesten dazu bereit wären, auf diesen Sinn zu verzichten. Dabei vergessen wir jedoch, wie wichtig er für uns ist.

Die meisten Geschmäcke und Aromen unserer Nahrung sind im Ursprung olfaktorisch. Sind wir erkältet, riechen – und schmecken – wir unser Essen nicht. Menschen, die erst im späteren Leben an Anosmie leiden (also ohne Geruchssinn), finden, dass ihnen viel verloren gegangen ist. Ihre Welt wird grau, dumpf, eintönig und langweiliger.“

Menschen werden oft als Amateure im Riechen bezeichnet, vor allem im Vergleich etwa zu Hunden oder Nagetieren. Dass es sich dabei um eine häufige Fehlannahme handelt, erklärt Asifa Majid, Professorin für Sprache, Kommunikation und kulturelle Wahrnehmung an der Radboud Universiteit in Nimwegen (Niederlande): „Neueste Forschungen haben ergeben, dass Menschen durchaus in der Lage sind, unterschiedliche Gerüche sehr gut und genau zu unterscheiden und zwar bis zu einer Milliarde von ihnen.“

„Außerdem gibt es deutliche kulturelle Unterschiede, was die Fähigkeiten betrifft, Gerüche zu beschreiben. Die Schwierigkeiten, die wir dabei haben, können also nicht mit dem Aufbau unseres Gehirns zusammenhängen.“

Als Beispiel nennt Asifa die Jahai, welche auf der malayischen Halbinsel wohnen. Sie leben abgeschieden im Urwald und sind Jäger und Sammler, weswegen sie sehr stark auf ihren Geruchssinn angewiesen sind.

Asifa erklärt: „Die Jahai beschreiben Gerüche genauso gut, wie Farben, und weitaus besser als etwa Menschen, die Deutsch oder Englisch sprechen. Sie haben zwölf Grundwörter, um unterschiedliche Arten von Gerüchen zu benennen, in etwa so, wie wir Farben unterscheiden in Rot, Blau, Grün, Gelb, Lila, Braun etc.“

Ebenso, wie wir Farben nicht verwenden können, um die Textur oder den Geschmack einer Sache zu beschreiben, sind diese Wörter der Jahai auch exklusiv für Gerüche vorgesehen.

Asifa nennt ein Beispiel: „Haʔɛ̃t ist das Wort, das Jahai nutzen, um den gemeinsamen Geruch von Tigern, Shrimp-Paste, Gummibaumsaft, verdorbenem Fleisch, Aas, Fäkalien, Moschus, Wildschwein, verbranntem Haar, altem Schweiß und Feuerzeug-Gas zu beschreiben. Ganz so, wie wir mit der Farbe Rot unzählige Objekte spezifizieren können.“

Asifa und ihre Kollegen sind davon überzeugt, dass die Jahai deswegen besser in der Lage sind, Gerüche zu beschreiben, weil sie in ihrem Alltag eine weitaus größere Rolle spielen und mehr Aufmerksamkeit einnehmen. Da sie nomadisch leben, nutzen sie Gerüche in vielerlei Kontexten, etwa in der Medizin, bei Krankheiten oder auf der Jagd. Sie haben sogar Tabus, was das Mischen bestimmter Gerüche angeht und manipulieren unterschiedliche Aromen gezielt, um diese Tabus nicht brechen zu müssen.

Doch die Jahai sind nicht die einzigen, die einen besonderen Wert auf Gerüche legen. Auch hier bei uns gibt es einige Menschen, die besser riechen können, als andere (und manchmal darum auch besser riechen). Sommeliers und Parfümeure trainieren ihre Nasen über Jahre hinweg, um die unterschiedlichen Duftnoten eines gesamten Duftes wahrnehmen und beschreiben zu können. Aber was kannst du tun, um die unzähligen Gerüche, die dir im Alltag begegnen, besser wahrzunehmen und zu schätzen? Die Antwort liegt, wie so oft, im Wein.

Asifa dazu: „Weinexperten sind weitaus besser in der Lage, die Aromen und Geschmacksnoten von Wein zu beschreiben, als Kaffeeexperten oder Anfänger.“

„Es scheint so, als würde das Training, die Gerüche von Weinen zu benennen, Weinverkostungen beizuwohnen oder aber die Beschreibungen der Aromen von Wein zu lesen, dabei helfen, diese Fähigkeiten zu verbessern.“

„Insgesamt kommen wir zu dem Ergebnis, dass man Gerüche dann besser unterscheiden und beschreiben kann, wenn man sich Zeit nimmt, zu riechen, zu reflektieren und seine Eindrücke mit anderen zu diskutieren.“

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